Dr. Christian Osterwalder  |  Facharzt FMH für Chirurgie
Unterer Graben 35, CH-8400 Winterthur
Tel. +41 52 269 19 19  |  osterwalder@chir.ch

Dickdarmdivertikel

Was sind Dickdarmdivertikel?
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch die Darmmuskulatur gegen Aussen. Sie liegen meistens an den Stellen, wo die Blutgefässe des Darmes in die Muskulatur der Darmwand eindringen. Dort sind kleine Muskellücken vorhanden. Dies sind «Schwachstellen» des Darmes.

Wo finden sich die Dickdarmdivertikel?
Der Dickdarm wird in 2 Hauptteile eingeteilt:
• Das Kolon, es ist 1.3 bis 2 m lang und wird in 5 Abschnitte unterteilt: Blinddarm (a), Aufsteigendes Kolon (b), Querkolon (c), Absteigendes Kolon (d) und Sigma (e).
• Der Mastdarm oder das Rektum (f). Dieser unterste Abschnitt des Dickdarms ist 15 cm lange. Er endet beim After.

Die Dickdarmdivertikel, welche im Laufe des Lebens entstehen liegen praktisch immer im Sigma, selten im absteigenden Kolon und noch seltener im Querkolon. Im Mastdarm (Rektum) gibt es nie Divertikel. Anders verhält es sich bei den seltenen angeborenen Divertikeln, diese können überall am Darm vorkommen.
Warum entstehen Divertikel?
Dies hängt mit der Verdauung, bzw. der Darmtätigkeit zusammen. Die Verdauungsvorgänge geschehen im Dünndarm, die Nahrung wird hier aufgespalten, in die Bestandteile wie Aminosäuren, Fettsäuren und Saccharide, Peptide zerlegt und kann so vom Darm aufgenommen werden. Der Darminhalt im Dünndarm ist flüssig.

Die Aufgabe des Dickdarmes ist es, dem flüssigen Darminhalt Wasser zu entziehen und somit das herzustellen, was wir als «geformten Stuhl» bezeichnen. Der Transport des Darminhaltes erfolgt durch Bewegungen des Darmes (Peristaltik). Der Darm zieht sich ringförmig zusammen und transportiert so den Darminhalt weiter. Im Dünndarm und Anfangsteil des Dickdarmes geht dieser Transport leicht, ohne grosse Kraftaufwendung des Darmes. Im unteren Teil des Dickdarmes, wo schon ein fester Stuhl vorhanden ist, geht dies nur mit grosser Kraftaufwendung des Darmes. Dadurch entstehen im Darm hohe Drucke, welche dann das Ausstülpen der Schleimhaut verursachen. Nebenstehender Film zeigt Ihnen die Darmbewegungen von Dünndarm und Dickdarm.


Häufigkeit und Beschwerden bei Divertikel
Ab dem 60. Lebensjahr haben viele Menschen Divertikel, die Angaben schwanken zwischen 30% und 50%. Es sind nur etwa 30% der Divertikelträger, welche im Laufe des Lebens Beschwerden bekommen. Beschwerden entstehen vor allem, wenn Divertikel sich entzünden, es entstehen Bauchschmerzen, welche im Unterbauch links lokalisiert sind, Änderungen der Stuhlgewohnheiten mit Verstopfung / Durchfall können auftreten.
 
Diagnosestellung
Die Diagnose der Divertikel wird meistens durch eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) gestellt. Schauen Sie sich nebenstehenden Film einer Koloskopie an von Dr. Martin Heer, Gastroenterologe CH-8400 Winterthur (www.magendarmpraxis-winterthur.com)


Manchmal sind für die Diagnosestellung zusätzliche Untersuchungen notwendig wie Computertomogramm (CT), Ultraschall, MRI. Das Dickdarmröntgen mit Kontrastmittel (Holzknecht-Einlauf) ist heute vollständig durch die eben erwähnten Untersuchungen abgelöst.

Nebenstehend sehen Sie CT-Bilder von Sigmadivertikel.

CT-Bilder: radiologie am graben, CH-8400 Winterthur (Dres. Antonucci, Käser, Eckhardt, Scherr) www.roentgen-institut.ch

Komplikationen der Divertikel
1. Perforation
2. Stenose
3. Fistel
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Divertikel, welche sich entzünden, können zu schweren Komplikationen führen, vor allem, wenn immer wieder Entzündungen auftreten. Diese schweren Komplikationen sind zum Glück nicht sehr häufig.

1. Perforation / Loch im Darm
Die schwerste Komplikation ist, wenn ein an der Oberfläche des Darmes liegendes Divertikel wegen einer Entzündung platzt. Dies wird freie Perforation genannt. Es entleert sich Eiter, Stuhl und Luft in die «freie» Bauchhöhle.

Etwas günstiger sind der Verlauf und die Prognose, wenn eine gedeckte Perforation auftritt. Durch das Bauchfell kann der austretende Stuhl und Eiter abgedeckt werden. Es kommt zur Abgrenzung der schweren Infektion durch Abszessbildung.

Beide Arten der Divertikelperforation sind schwerste Erkrankungen mit zum Teil tödlichem Ausgang.
2. Darmverengung / Stenose
Durch immer wieder auftretende Entzündungen kann der Darm vernarben und schrumpfen. Dies führt dann dazu, dass das Lumen, der Innendurchmesser des Darmes immer enger wird. Dies verursacht Darmentleerungsstörungen, Krämpfe und kann im schlimmsten Fall bis zum Darmverschluss führen.
3. Fistel zwischen Darm und Harnblase
Durch die Divertikelentzündung kann eine entzündliche Verklebung zwischen Darm und Harnblase entstehen, welche mit der Zeit zu einer Fistel führt. Diese Fistel ist eine direkte, kleine Verbindung zwischen Darmlumen und Harnblase. Die Folge davon ist, dass Stuhl und Bakterien, sowie auch Luft in die Harnblase gelangen. Dies führt zu schweren Harnwegsentzündungen. Die Luft aus dem Darm entleert sich mit dem Urin, was sehr auffällig ist und vom Erkrankten sofort bemerkt wird. Das Umgekehrte, dass Urin sich über den Darm mit dem Stuhl entleert, ist eher selten.
Operation
Eine Operation wird immer dann notwendig, wenn eine der oben beschriebenen schweren Komplikationen auftritt. Die Operation ist auch dann zu empfehlen, wenn immer wieder Entzündungen mit Bauchschmerzen auftreten, welche Ihre Lebensqualität beeinträchtigen.
Bei einer Operation wird der mit Divertikel befallene Dickdarmanteil entfernt. Der Darm wird durch Nähte (Stapler-Nähte) wieder vereinigt.

 
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Ein Schema der Entfernung des mit Divertikeln befallenen Darmabschnittes sehen Sie in nebenstehenden Grafiken.
Die Operation wird Minimal Invasiv in Allgemeinnarkose durchgeführt. Eine vollständige Entleerung und Reinigung des Darmes wie zur Dickdarmspiegelung ist für eine Operation nicht notwendig. Sie erhalten vor der Operation einen kleinen Einlauf (Practoclyss).
Schauen Sie sich den Film einer realen Dickdarmoperation an.

Eine Operation am Plastikmodell, in welchem die technischen Vorgänge besser ersichtlich sind, sehen Sie nebenstehend.




Spezielle Komplikationen bei Dickdarmoperationen

 Anastomoseninsuffizienz
Hierunter verstehen wir, dass die Darmnaht als Folge einer umschriebenen Durchblutungsstörung «undicht» wird. Es bildet sich dann ein Abszess an der Darmnaht. Es ist dann wegen der Schwere der Infektion meistens notwendig, einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang für wenige Monate anzulegen. Diese schwere Komplikation kommt bei 2 – 5% aller Dickdarmoperationen vor.

Verletzung eines Harnleiters
Der linke Harnleiter hat eine enge Beziehung zum Darm, er verläuft direkt hinter dem Darm. Bei versehentlicher Durchtrennung muss er wieder genäht werden.

Darmverletzung
Eine während der Operation bemerkte Darmverletzung ist unproblematisch; sie kann leicht wieder übernäht werden. Schwieriger sind unbemerkte Verletzungen, da diese sich erst wenige Tage nach der Operation bemerkbar machen.

Nervengeflecht
Im Bauchraum, speziell über der Hauptschlagader (Aorta) verläuft ein feines Nervengeflecht (Plexus hypogastricus), welches zur Harnblase und Harnröhre zieht. Die Folge einer Verletzung dieses feinen Nervengeflechts kann zu einer leichten Entleerungsstörung der Harnblase führen. Beim Mann kann es zur Retrograden Ejakulation kommen. Dies bedeutet, dass der Samenerguss nicht mehr durch die Harnröhre nach Aussen erfolgt, sondern rückwärts (retrograd) in die Harnblase. Die Entleerung des Ergusses erfolgt dann mit dem Urin. Sexualempfinden und Bedürfnis werden dadurch nicht beeinträchtigt.

Milzverletzung
Die Milz hat eine sehr feine Kapsel. Wenn es während der Operation zu einem grösseren Einriss dieser Kapsel kommt, kann eine starke Blutung auftreten, welche eine Entfernung der Milz notwendig macht.

Nachbehandlung nach Operation
Sie haben eine Infusion und einen Blasenkatheter während 1 – 2 Tagen. Sie sollen wenn möglich schon am Abend des Operationstages kurz aufstehen.
Sie dürfen nach der Operation nach wenigen Stunden schon trinken.

Für den ersten Tag nach der Operation mache ich meinen Patienten diesen Menüvorschlag:
- am Morgen Kaffee, Tee, Gipfeli (Hörnchen), Weggli (Brötchen)
- am Mittag Kartoffelstock (Kartoffelbrei), Rüebli (Karotten), Bratensauce
- am Abend Crème, Müsli, Suppe, Brei und ähnliches

Am zweiten Tag nach der Operation sind Sie in der Menüauswahl frei, Sie sollten jedoch bei Ihrer Auswahl Vernunft walten lassen. 

Klinikaufenthalt
Dieser ist von Ihrem Befinden abhängig, er liegt meistens bei 4 bis 6 Tagen.

Ernährungsvorschriften nach Dickdarmoperation
Es gibt keine Vorschriften, Sie dürfen alles Essen, wie vor der Operation. Wenn Sie bemerkt haben, dass es Speisen gibt, welche Ihnen schlecht bekommen, dann sollten Sie diese weglassen.