Dr. Christian Osterwalder  |  Facharzt FMH für Chirurgie
Unterer Graben 35, CH-8400 Winterthur
Tel. +41 52 269 19 19  |  osterwalder@chir.ch

Bandverletzungen

Bandverletzungen am Daumen (Skidaumen)
 
Ursache
Durch Gewalteinwirkung, z.B. Sturz mit Abspreizen des Daumens, kann das innere (ulnare) Seitenband des Daumens reissen. Diese Verletzung tritt häufig beim Skifahren auf, so dass sie als Skidaumen bezeichnet wird.

Beschwerden
Das Daumengelenk ist geschwollen, das innere Seitenband auf Druck schmerzhaft. Bei Prüfung der Stabilität des Gelenkes kann die Instabilität durch Aufklappen des Gelenkes erkannt werden.

Behandlung
Im Gegensatz zu den übrigen Fingergelenken muss am Daumen die ulnare Bandverletzung häufig operativ behandelt werden. Der Grund dafür liegt in der besonderen Anordnung des Bandes. Bei einer vollständigen Bandruptur kann es sein, dass die Enden des gerissenen Bandes nicht mehr aneinander zu liegen kommen (Stener-Läsion). Wird eine solche Verletzung nur mit Gips behandelt, dann resultiert ein instabiles Gelenk mit entsprechenden Beschwerden beim Greifen. Der Entscheid, ob konservativ mit Gips oder operativ behandelt werden muss, erfolgt durch die klinische Stabilitätsprüfung. Ein deutlich instabiles Gelenk muss operiert werden.
Operation
Die Operation ist ambulant in i.v.-Block. Ziel der Operation ist es, die Enden des gerissenen Bandes aneinander zu legen und mit sehr feinen Fäden zu fixieren. 
Diese Operation muss innerhalb der ersten 10 Tage nach dem Unfall vorgenommen werden. Wegen Schrumpfung und Verkürzung des gerissenen Bandes ist nach dieser Zeit eine Operation erfolglos.

Nachbehandlung
Nach der Operation wird der Daumen mit einer Unterarmschiene für vier Wochen fixiert.
Nicht behandelte Bandruptur 
Wird eine Bandruptur nicht erkannt und nicht entsprechend behandelt, ist ein instabiles Gelenk die Folge. Diese Instabilität bereitet beim Greifen, z.B. beim Schreiben, Schmerzen. Hat das Gelenk im Röntgenbild keine Zeichen einer Arthrose, so kann eine Wiederherstellung des defekten Bandes mit einem Sehnenstreifen vorgenommen werden (Ulnare Bandersatzplastik).

Eine Bandverletzung kann auch auf der Aussenseite vorkommen durch Riss des äusseren (radialen) Seitenbandes. Diese Verletzung kann immer mit Fixation des Daumens im Kunststoff-Gips behandelt werden. Ohne Behandlung (Fixation) führt diese Verletzung allerdings auch zur Instabilität (Radiale Instabilität). 

Ist eine Arthrose vorhanden, so ist speziell bei handwerklich arbeitenden Menschen eine Versteifung (Arthrodese) des Gelenkes vorzuziehen. Es wird dadurch erreicht, dass der Daumen beim Greifen wieder schmerzfrei ist. Die Unbeweglichkeit dieses Gelenkes nach einer Arthrodese ist nicht schwerwiegend, d.h. die Arbeit kann weiterhin ausgeführt werden.

 Bandverletzungen der Fingermittelgelenke
 
Ursache
Die Bandverletzungen an den Fingern treten sehr häufig beim Sport auf. Durch Gewalteinwirkung mit einem Ball können die seitlichen Bänder und das kräftige, knorpelige an der Greiffläche liegende Band («Palmare Platte») einzeln oder zusammen reissen.

Beschwerden
Das Gelenk ist geschwollen, die Beweglichkeit wegen Schmerzen eingeschränkt, die Rupturstelle des Bandes ist auf Druck schmerzhaft. Im Röntgenbild ist bei Ruptur der Seitenbänder meistens keine zusätzliche Knochenverletzung vorhanden. Bei Verletzung der Palmaren Platte ist häufig im Röntgenbild ein feiner Knochenausriss erkennbar.

Behandlung
Die Bandverletzungen der Fingermittelgelenke können praktisch immer konservativ, d.h. ohne Operation behandelt werden. Der Finger wird mit einer Schiene oder Hülse in Streckstellung des Mittelgelenkes während vier Wochen fixiert. Das Grundgelenk bleibt frei.

Wenn möglich soll täglich die Hülse ein bis zwei Mal für Bewegungsübungen abgenommen werden. Nach etwa sechs Wochen kann das verletze Gelenk wieder belastet werden; Vorsicht ist jedoch bei Ballspielen noch über einige Monate geboten.
 
Komplikationen
Bandverletzungen der Fingermittelgelenke haben eine sehr lange Rehabilitationszeit, d.h. es können Beschwerden über viele Monate auftreten. Dies ist der normale Verlauf. Nicht immer wird die ursprüngliche Beweglichkeit wieder erreicht. Die Gelenke bleiben nach einer Bandverletzung, speziell der Seitenbänder, etwas aufgetrieben und verdickt. Die Vorstellung, Bandverletzungen an den Fingergelenken müssten, da es ja nur kleine Gelenke sind, schneller heilen als Bandverletzungen an Knie- oder Sprunggelenk, ist falsch.